Als Zehnjaehriger erlebt der kleine Willi den Besuch des Fuehrers in seiner schlesischen Heimat mit und laesst sich von der allgemeinen Begeisterung anstecken. Mit Siebzehn zieht er nach dem Reichsarbeitsdienst als Soldat fuer ihn in den zweiten Weltkrieg. Er ueberlebt den Sturm auf die Seelower Hoehen und geraet in englische Gefangenschaft. Nach dem Krieg faehrt er auf einem Minensuchboot in Norwegen und findet zufaellig seine Mutter und die kleine Schwester in Niedersachsen wieder. Ihnen blieb nur die Flucht aus Kamenz in Niederschlesien. Dieser Beitrag erzaehlt in Ich-Form die wahren Erlebnisse der Hauptfigur, welche der Autor fuer seinen Vater niederschrieb.
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| Ein weiteres Puzzlestück für das Gesamtbild der Komplexität der NS-Zeit 13. Feb. 2012 |
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von Christian Johannes von Rüden
Sie haben die aufrichtige Selbstreflexion Ihres Verwandten über die Kriegszeit und seine Auseinandersetzung mit subjektiven Kriegserlebnissen, die ein weiteres Puzzleteil in der Komplexität der vielen Abstufungen der damaligen Verhältnisse darstellen, authentisch und gut wiedergegeben, ohne dass sie sich dabei in zu ausufernde, blutige Details verrannt hätten.
Gerade die Nennung einiger Einzelerlebnisse macht den Erfahrungsbericht so authentisch und lässt die Individualität der Menschen trotz des faschistischen Systems, was oftmals als oberflächliche Meinung vorweg gestellt wird, deutlich werden. Der Bericht fügt sich somit als komplexitätsfördernd in allgemeine Untersuchungen wie etwa das Buch "Davon haben wir nichts gewusst!" vom Historiker Peter Longerich ein, welches sich mit dem für und wieder des Wissensstandes der damaligen Bevölkerung aus sicht einer Nachkriegsgeneration, fair auseinander setzt. Interessant wäre es noch gewesen, wenn er Rückfragen mit eingeflochten hätte, die er eventuell seiner Mutter nach dem Krieg über ihre subjektiven Erfahrungen und Einstellungen zu dem System und die Zeit wie es ihr mit der Tochter auf der Flucht ergangen war, gestellt hatte. Wie war beispielsweise die Befürwortung der NSDAP wirklich in diesem schlesischem Dorf vor der Zeit der Machtergreifung Hitlers, z.B. bei Wahlen im Jahr 1932? Wie viel des Jubels war nur aus Vorsicht gestellt gewesen? War die Ablehnung ähnlich groß, wie in Westfalen oder anderen katholischen Regionen oder erhielt die Partei Stimmenanteile über 30%? Bzw. was wusste die Mutter über die Stimmung aus dem Dorf zu berichten? Sollte Ihr Ahne noch leben, kann ich nur empfehlen ihm zu raten seine Erlebnisse als Zeitzeuge, solange es noch möglich ist, in Universitätsseminaren oder schulischen Oberstufen anzubieten und ggf. auch aufzeichnen zu lassen. Auch wäre es interessant zu erfahren, ob ein Versuch unternommen wurde, die Verwandten der beiden Soldaten aus der Scheune ausfindig zu machen um ihnen über die Umstände des Todes der beiden Aufschluss zu geben, oder ob eine Suche nach ihnen nicht möglich war. Sicherlich würden bei einer weiteren Auseinandersetzung weitere Erlebnisse zutage kommen, die erzählenswert wären, daher meinerseits ein großes Lob für den Mut und ein Toi toi für einen weiteren Erfahrungsbericht. MFG. |
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